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P18. Alte Probleme/neue Perspektiven

Detailed Programme, abstracts and presentations

P18. Alte Probleme/neue Perspektiven (Saturday, 6 October, 8.30-10.00, Europa 6)

P18.1.Psychotherapie im Alter und bei Demenz – Was macht Sinn?

Christian Jagsch

Einleitung: Die psychotherapeutische Versorgung älterer Menschen in Österreich ist noch deutlich zu entwickeln. Die Bereitschaft von Psychotherapeuten Älteren einen Psychotherapieplatz zur Verfügung zu stellen ist eher begrenzt und auch Ärzte denken vor allem an eine medikamentöse Therapie, zu einer psychotherapeutische Behandlung zu überweisen ist  noch zu wenig ins Bewusstsein gerückt.

Der Bedarf an Psychotherapie bei älteren Menschen der derzeitigen Generation wird mit 10 % geschätzt (Hirsch, 1999). Die zukünftigen Generationen, die mit der Möglichkeit psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen aufgewachsen sind, werden dieses Angebot auch im Alter vermehrt einfordern.

Allgemeine Ziele der Psychotherapie sind das seelische Leiden zu lindern und Kompetenzen und Fähigkeiten zu stützen, zu erhalten und zu fördern. Speziell beim älteren und alten Menschen steht der lindernde Anspruch vor dem heilenden.

Die Psychotherapie wird vor allem bei Depressionen, Angsterkrankungen sowie Anpassungsstörungen als Reaktion auf Verluste und Lebensveränderungen erfolgreich eingesetzt. Die Zunahme von Suchterkrankungen, bipolaren Störungen und wahnhaften Symptomen im Alter sollte vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Die Kombination einer medikamentösen Therapie mit einer psychotherapeutischen Behandlung zeigt wie bei jüngeren Erwachsenen die besten Ergebnisse.

In der Psychotherapie bei Alzheimer-Patienten ist die Behandlung und Beeinflussung nicht kognitiver Symptome im Vordergrund. Dazu zählen vor allem Störungen des Antriebs, der Affekte (Angst, emotionale Labilität, Depressivität, Aggressivität, Selbstunsicherheit, Hilflosigkeit), Verhaltensstörungen, Persönlichkeitsveränderungen sowie Regression und sozialer Rückzug.

Zusammenfassung

  • Psychotherapie bei älteren und hochbetagten Menschen sollte genauso selbstverständlich werden wie beim jüngeren Patienten.
  • Die Behandlung der Depression im Alter sollte neben der medikamentösen Therapie immer in Kombination mit Psychotherapie erfolgen.
  • Psychosoziale und psychotherapeutische Betreuung der Betroffenen mit Alzheimer-Demenz, deren Angehörigen und der Pflegenden haben mindestens den gleichen Stellenwert wie die medikamentöse Therapie.

P18.2. Intimität und Tabu – Sexualität trotz Demenz

Doris Bach

Älter werden ist ein natürlicher, lebenslanger Entwicklungsprozess, der an sich nichts Krankhaftes darstellt. Jedoch ist Sexualität im Alter, wie auch Sexualität im Krankenhaus bzw. in Pflegeeinrichtungen, immer noch ein Tabu. Das Thema Alterssexualität wird weitestgehend verschwiegen, verdrängt oder auch humorvoll und geringschätzig behandelt.

Sexuelle Gefühle sind Grundbedürfnisse, unabhängig vom Alter, denn jeder Mensch ist Zeit seines Lebens fähig, Lust zu empfinden. Die „sexuellen Menschenrechte“ gelten ebenso für Demenzkranke (1999), denn sich die Fähigkeit sich als „Mann“ oder als „Frau“ zu fühlen, bleibt erhalten. Sexualität im Alter ist die Sehnsucht nach Liebe, Zärtlichkeit und Zeit; sie vertieft die Kommunikationsfähigkeit und stärkt das Selbstwertgefühl. Vor allem im Alter mit den vielfachen Verlusten und angesichts der Bedrohung durch das nahende Lebensende sind die Botschaften von Annahme, Zuwendung, Nähe und Geborgenheit in der nonverbalen Kommunikation der Sexualität umso lebenswichtiger und eng mit Selbstachtung, Selbstwertgefühl, Sinnfindung und Lebensfreude verbunden (Beier, 2001). Dieser Beitrag soll dazu dienen, die Gründe der Tabuisierung besser verstehen zu lernen, soll zu Gesprächen über Sexualität und Intimität im Alter und den damit verbundenen Erkrankungen führen und damit zur Enttabuisierung ermutigen.

P18.3. Validation -Verwirrt leben kann gelingen? - Validation in der Praxis.

Gunvor Sramek

In dieser Überschrift habe ich ganz bewusst zwei Dinge genannt: den Begriff: „Verwirrt leben“, - und die Validation nach Naomi Feil.

Die Welt der Desorientierten:

Für Menschen, die noch orientiert sind, ist es immer sehr schwer sich vorzustellen, das ein Leben als verwirrter, desorientierter Mensch durchaus lebenswert sein kann.

Die 4 Phasen der Aufarbeitung:

Wie können wir Angehörige und Betreuer ein Leben aus der Sicht dieser alten Menschen besser kennen lernen und besser verstehen?

In der Validation unterscheiden wir 4 Phasen, die im Laufe einer Demenz eintreten können.

Für jede dieser 4 Phasen gibt es bestimmte Verhaltensweisen und Kriterien, die uns helfen, die Bedürfnisse dieser Menschen besser zu verstehen.

Ich möchte heute versuchen, Ihnen einige dieser Verhaltensweisen vorzustellen, indem ich verschiedene Personen darstelle.

Validation in der Anwendung:

Betreuer, die in Validation ausgebildet sind, haben gelernt, wie man mit diesen sehr unterschiedlichen Verhaltensweisen umgeht. Sie wissen, wie man durch die Verwendung von den jeweils passenden verbalen und nonverbale Techniken dazu beitragen kann, dass der alte Menschen sich respektiert, wertgeschätzt und verstanden fühlt.

Dabei ergibt sich ganz von selber ein nachhaltiger Stress Abbau auf beiden Seiten. Das passiert nicht sofort, sondern erst nach und nach, wenn ein alter Mensch laufend validiert wird und sich sein Vertrauen und damit auch sein Selbstwertgefühl gebessert hat.

Validation ist also NICHT eine Methode ähnlich wie eine „Feuerwehr“, die in erster Linie zum Einsatz kommt, wenn eine Situation schon eskaliert ist. Das erwähne ich hier, weil ich diese Frage in letzter Zeit mehrmals gestellt bekommen habe. Allerdings kann Validation manchmal auch in Krisensituationen angewendet werden, wenn der Betreuer den Klienten gut kennt und mit seinen Bedürfnissen und Reaktionen vertraut ist.

An Hand von praktischen Beispielen möchte ich Ihnen anschließend einige Validationstechniken erklären und demonstrieren.

Schlussfolgerung: Der alte, desorientierte Mensch wird sich wohler fühlen, wenn man ihn  mit Validation  begleitet. Dabei ist eine validierende und nicht wertende, emphatische Grundhaltung unentbehrlich. Durch Validation erreicht man nicht eine Heilung aber eine deutlich sichtbare und spürbare Verbesserung der Lebensqualität auf allen Seiten. Es gibt viel weniger Konfrontation und Stress.

Die alten Menschen sind entspannter und kommunikativer. Sie nehmen mehr Anteil an ihrer Umgebung und lächeln viel öfter. Die Betreuer sind fröhlicher und haben mehr Freude, weil sie sich nicht so hilflos und überfordert fühlen in vielen Alltagssituationen.

 

 

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Last Updated: Thursday 15 November 2012

 

 
 

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